100 Jahre

1919  -  2019

Das Pretziener Wehr

 

Geschichte

 

Das Wehr schützt neben Magdeburg das Gebiet zwischen den beiden alten Flussarmen, das zum Teil bis zu zwei Meter unterhalb der Hochwasserpegel liegt. Die ursprünglichen Deiche der Ortschaften waren nicht koordiniert und führten zur stärkeren Versandung der alten Elbe. Die Hochwasserstände stiegen weiter an, und der Boden ließ das Wasser durchsickern. Es wurde eine Lösung gesucht und in Form eines einheitlichen Umflutkanals mit beidseitiger Eindeichung und einem geregelten Wasserlauf gefunden.

Daher beschloss die preußische Regierung 1869 den Bau des Elbe-Umflutkanals und des Pretziener Wehres. Von 1871 bis 1875 wurde das Wehr vorwiegend von italienischen Bauarbeitern und französischen Kriegsgefangenen gebaut. Es ist das größte Schützentafelwehr in Europa und gilt als Meisterwerk damaliger Baukunst. Die erste Öffnung erfolgte im Dezember 1875.

Auf der Pariser Weltausstellung 1889 erhielt das Pretziener Wehr eine Goldmedaille.

Deutschlandweite Bekanntheit erlangte das Wehr während der Jahrhundertflut im August 2002, als die Elbe und einige ihrer Nebenflüsse weite Teile Sachsens und Sachsen-Anhalts überfluteten. Magdeburg und Schönebeck entgingen durch die Öffnung des Wehres einer größeren Überschwemmung.

Danach wurden bis zum 16. Oktober 2010 zahlreiche Instandsetzungsarbeiten an den Metallteilen und dem Mauerwerk vorgenommen.

Bisher wurde das Wehr insgesamt 63 Mal gezogen, davon 54 Mal im Winter und 8 Mal im Sommer. Nach der Öffnung im März 2006 war das Wehr vom 15. bis 29. Januar 2011 geöffnet. Das Öffnen dauerte 5 Stunden, es waren dafür 16 Mitarbeiter nötig.

Die letzte Öffnung des Wehres im Umfeld des Hochwassers in Mitteleuropa 2013 erfolgte am Nachmittag des 3. Juni 2013.

Anlage

 

Der Sandstein-Unterbau der Anlage ist 162,8 Meter lang, 7,5 Meter breit und 3,8 Meter hoch. Darauf sind zwei Land- und acht Mittelpfeiler von 5,75 Meter Höhe angeordnet. Zwischen den Pfeilern befinden sich neun Joche mit einer lichten Breite von 12,55 Metern, in denen jeweils 36 eiserne Schützentafeln eingesetzt sind. Die nutzbare Durchflussbreite beträgt somit 112,95 Meter.

Die je 100 Kilogramm schweren und 1,31 mal 0,83 Meter großen Schützentafeln können nach oben weggezogen werden. Dazu schiebt man zwei elektrisch betriebene Winden auf Gleisen von Joch zu Joch und zieht die Schützentafeln mittels Seilzügen einzeln hoch. Die freistehenden Losständer werden per Handwinde ausgeklinkt und nach oben geknickt, um Schwemmgut und eventuell vorhandenen Eisschollen einen freien Durchfluss zu ermöglichen.

Das Wehr wird geöffnet, wenn am Messpunkt Barby der Richtpegel von 5,92 Metern erreicht und mit Sicherheit überschritten wird. Die Öffnung nimmt mehrere Stunden in Anspruch. Dazu müssen die B246a zwischen Schönebeck und Plötzky sowie die Straßen Elbenau–Plötzky und Pretzien–Ranies gesperrt werden, die überflutet werden.

 

Text teilweise Wikipedia®